Es handelt sich bei dem Projekt ISDN um ein Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) - mit der Stadt Schmölln und der Universität Kassel als Partner. Für drei Jahre - bis zum Sommer 2024 - werden die Forschungspartner gemeinsam erkunden, wie es möglich ist, die "großen" Themen Klimaanpassung und Nachhaltigkeit sowie Daseinsvorsorge und demographischer Wandel in die alltäglichen Stadtentwicklungsprozesse einer Kleinstadt zu integrieren. Denn globale Herausforderungen brauchen bekanntermaßen lokale Lösungen. Das Projekt ist Teil der Fördermaßnahme "Kommunen innovativ" des BMBF, in dem ermöglicht wird, strukturschwachen Regionen und Kommunen Frei- und Experimentierräume für zukunftsfähige Lösungen zu eröffnen. Dabei geht es nicht nur darum, für Schmölln etwas zu erreichen (das natürlich auch), sondern auch, anhand Schmölln, Gößnitz und der (eingemeindeten) dörflichen Gemeinden herauszufinden, wie thüringische Kleinstädte besser agieren können.

1. Motivation

Das Projekte ISDN verknüpft die bisher oft alleinstehenden Herausforderungen der Daseinsvorsorge und der klimaangepassten Entwicklung. Hierfür wird das Instrument des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) weiterentwickelt. ISEKs gibt es seit ca. 20 Jahren, um mit städtebaulichen Strategien u.a. auf demographische Veränderungen zu reagieren. Ohne diesen Charakter zu verlieren, gilt es, damit zudem Nachhaltigkeit und Daseinsvorsorge kommunal zu steuern.

2. Ziele und Vorgehen

Zunächst werden anhand von 5 Netzwerken vor Ort die bestehenden Herausforderungen mithilfe von Interviews, Fallanalysen und städtebaulichen Bestandsaufnahmen analysiert: Stadt und Dorf als gleichberechtigte Komponenten von Heimat – Stadt der kurzen Wege in der Fläche – Gewerbeentwicklung im Einklang mit Flächensparzielen – Interkommunale und innovative Bildungslandschaft – Gesundheitsinfrastruktur als gemeindliche Aufgabe. Im zweiten Förderjahr sollen die gewonnenen Erkenntnisse in einem dezentralen Reallabor verarbeitet werden, welches in Form von Planspielen mit verschiedenen Akteuren und an verschiedenen Orten in Schmölln und Gößnitz stattfindet.

3. Erwartete Ergebnisse und Transfer

Auf kommunaler Ebene sollen konkrete wünschenswerte und realisierbare Projekte eruiert werden, die in die Fortschreibung der Stadtentwicklungskonzepte Schmölln und Gößnitz einfließen. Die Erkenntnisse werden außerdem in einem Handlungsleitfaden zusammengeführt, der auf unterschiedliche kommunale Entwicklungsprojekte übertragen werden kann. Mit dem Freistaat Thüringen wird eine Übertragbarkeit im Rahmen der Weiterentwicklung der Gemeindestruktur des Landes erörtert. Über die wissenschaftliche Ebene können die Methoden und Instrumente eines weiterentwickelten ISEK zudem in die nationale Stadtentwicklungspolitik des Bundes eingespeist werden.

Weitere Informationen zum Projekt ISDN finden Sie in unserem Projektblatt und im aktuellen Projektflyer.


Aktuelles und Veranstaltungen

LABOR I: Fahrradverkehr als Teil einer kleinstädtischen Verkehrswende

Das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel - Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Verkehrssicherheit von Alltagsrouten

DatumSamstag, 18. März 2023
Uhrzeit9:30 – 11:30 Uhr
OrtMarktplatz mit anschließender Radtour ins Gewerbegebiet Crimmitschauer Straße und zurück
Weitere Info Bitte bringen Sie Ihr Fahrrad mit!

Im Rahmen des Forschungsprojektes ISDN – Integrierte Strategie für Daseinsvorsorge und Nachhaltigkeit, welches die Stadt Schmölln gemeinsam mit der Universität Kassel durchführt, laden wir Sie zu einer Radtour ein. Wir möchten gemeinsam mit Ihnen die Route vom Marktplatz zum Gewerbegebiet Crimmitschauer Straße abfahren und diskutieren, wie die Attraktivität der Alltagsroute gesteigert werden könnte. Hierzu werden wir an verschiedenen Gefahrenstellen stoppen und uns über Handlungsmöglichkeiten austauschen. Zurück am Rathaus wartet ein kleiner Imbiss auf die Teilnehmenden.

Ziel ist es, gemeinsam kleinteilige Maßnahmen zu entwickeln, die mit geringem Aufwand, zeitnah durch die Kommune umgesetzt werden können oder durch Pop-up-Strukturen zu einer Verbesserung der Attraktivität der Fahrradrouten beitragen können. Für das Forschungsprojekt sollen dadurch Erkenntnisse gewonnen werden, welchen Beitrag Kommunen für eine kleinstädtische Verkehrswende leisten können.

 Anmeldungen bitte bis zum 15.03.2023 an projektmanagement@schmoelln.de oder telefonisch unter 034491 76 – 104.


Das zweite Projektjahr

 Relevante Themen der Arbeitspakete aus Jahr 1 werden in dezentralen Reallaboren untersucht

Anhand der im ersten Projektjahr erfolgten Analyse der fünf Arbeitspakete haben sich Themen ergeben, die durch dezentrale Reallabore untersucht werden sollen. Diese sind auf den gesamten Raum beider Kommunen festgelegt.

Was verbirgt sich hinter der Methodik "Dezentrales Reallabor"?

(Dezentral gestalten sich die Reallabore, da sie an verschiedenen Orten stattfinden (beispielsweise am Bahnhof in Gößnitz oder auch mobil entlang der Straße zum Gewerbegebiet Crimmitschauer Straße in Gößnitz). Die Reallabore gliedern sich jeweils in drei Teile: eine Charette vor Ort, ein Planspiel, das überörtliche Akteure einbezieht und in eine Remote-Forschung zur Kontextualisierung und Begleitung des Labors.

Eine Charette ist ein offener, öffentlicher Planungsworkshop. Sie bezeichnet ein Verfahren, in dem in kurzer Zeit Lösungen für komplexe Planungsprobleme erarbeitet werden. Der Planungsprozess integriert neben den Entscheidungsträgern auch Betroffene, Eigentümer und interessierte BürgerInnen. Die Planspiele sind ebenfalls eine etablierte Methode und sollen mit kommunalen und überörtlichen Akteuren jeweils für ein Reallabor die Frage „durchspielen,“ ob/wie eine Kommune grundsätzlich die dort aufgeworfenen Fragen steuernd bearbeiten und planen kann. Die Remoteforschung dient dazu, die bearbeiteten Laborthemen in die Transformationsherausforderungen einzubetten und strukturell in eine Modell-ISDN zu verankern.)

Ein kurzer Inhalt skizziert die Inhalte der einzelnen Reallabore:

I "Fahrradverkehr als Teil einer kleinstädtischen Verkehrswende"

(Das erste Reallabor „Fahrradverkehr als Teil einer kleinstädtischen Verkehrswende“ geht auf die Problematik des Radwegeausbaus ein. In der Charette soll beispielhaft die Radwegeverbindung und Aufenthaltsqualität entlang der Route Kernstadt Schmölln zum Gewerbegebiet Crimmitschauer Straße betrachtet werden. Dadurch sollen kleinteilige Maßnahmen identifiziert werden, die umgesetzt werden müssen. Es soll untersucht werden, inwiefern lineare räumliche Strukturen zum Gegenstand einer kommunal gesteuerten Gesamtmaßnahme werden können – auch durch die Kombination unterschiedlicher Planungs- und Förderverfahren.)

II - „Gößnitzer Bahnhof und Innenstadt – Städtebauförderkulisse Bahnhofsumfeld 

(Das zweite Reallabor „Gößnitzer Bahnhof und Innenstadt – Städtebauförderkulisse Bahnhofsumfeld“ beschäftigt sich ebenfalls mit der Transformationsherausforderung Verkehrswende. Die Bahn wird gerade im ländlichen Raum ebenso wie das Fahrrad massiv an Bedeutung gewinnen müssen, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen. Die Bahnhöfe werden (erneut) zu Eingangstoren und Visitenkarten der Stadt. Stadtentwicklung entlang der Bahntrassen (auch als Transit Oriented Development bekannt) muss aber in der Stadterneuerung funktionieren – denn die meisten Bahntrassen und Bahnhofsviertel sind schon gebaut. Doch zumeist fehlt ihnen nicht nur die historische Bahnhofsgebäudefunktion (positive Beispiele sind Umnutzungen wie in Nöbdenitz, negative Beispiele sind Abrisse wie in Gößnitz), sondern auch die Attraktivität als öffentlicher Raum. Das Reallabor soll am Beispiel des Bahnhofs Gößnitz also erkunden, wie die Prinzipien des Transit Oriented Developments mithilfe der Logiken der Stadterneuerung auf den Raum zwischen Bahnhof, August-Bebel- und Walter-Rabold-Straße und der Gößnitzer Innenstadt angewendet werden können.)

III - „Photovoltaik und andere erneuerbare Energien im Bestand – Nachrüstung per Stadterneuerung? 

(Das dritte Reallabor „Photovoltaik und andere erneuerbare Energien im Bestand – Nachrüstung per Stadterneuerung?“ soll beispielhaft die energetische Stadterneuerung von Bestandsquartieren in den Blick nehmen. Es werden Überlegungen angestellt, welche Nachrüstung in Bestandsquartieren technisch möglich und sinnvoll ist und wie diese in Stadtentwicklungsstrategien einfließen kann. Gemeinsam mit den Stadtwerken werden Planfälle generiert bzw. aktuelle Planungen aus Stadtentwicklungsperspektive erforscht: so z.B. die Nachrüstung von Gewerbegebieten mit Photovoltaik, die Nachrüstung eines dörflichen Wohngebiets mit einem Nahwärmenetz oder die Nachrüstung des öffentlichen Raums mit einer Ladeinfrastruktur. Diese werden mit den Akteuren nach der Planspielmethode durchgespielt und auf Hemmnisse überprüft. Ziel ist es, Ermöglichungsperspektiven für die Praxis aufzuzeigen, wie eine energetische Nachrüstung per Stadterneuerung stadtfinden kann.)

IV -„Dritte Orte in der Fläche – ländliche Bildungslandschaften und sozialraumorientierte Infrastrukturplanung 2 

(Das vierte Reallabor „Dritte Orte in der Fläche – ländliche Bildungslandschaften und sozialraumorientierte Infrastrukturplanung 2“ gliedert sich in drei Teile. Eine Charette beschäftigt sind mit Lumpzig – beispielhaft für die dörflichen Ortsteile – und untersucht Gebäude und Freiräume als potenzielle Räume, an denen Freizeitangebote stattfinden können. Mit unterschiedlichen Klassen des Roman-Herzog-Gymnasiums werden die ISDN-Themen jugendgerecht erörtert und daraus Schlussfolgerungen für das „Aufwachsen in Stadt und Dorf“ gezogen. Ein dritter Teil widmet sich der Zielgruppe der älteren MitbürgerInnen. Ziel aller drei Teile ist es, derzeitige Angebote zur Weiterbildung, Kultur oder Jugend-/Seniorenarbeit zu analysieren und das notwendige ergänzende Ehrenamt zu identifizieren. Daraus folgend, soll ein Planspiel Methoden entwickeln, wie ein kontinuierlicher Dialog zwischen der sozialraumorientierten Arbeit von Verwaltungsteilen wie Jugend, Schule, Weiterbildung, Kultur, Gesundheit, Senioren einerseits und der strategischen Stadtentwicklung der planenden Ämter erfolgen kann – wohl wissend, dass manches auf kommunaler, manches auf Landkreis- oder regionalisierter Landesebene (z.B. Schulamt) angesiedelt ist. Zusammenfassend ist das Ziel die Verbesserung der Steuerungskompetenz der flächengroßen Kommune in Sachen Daseinsvorsorge.)

In allen Reallaboren werden dabei auch übertragbare Ergebnisse für Thüringen und die Landesebene sowie wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen.


Zwischenbilanz nach einem Jahr ISDN

Nachdem in kleinerer Runde bereits am 22. September 2022 Einblicke in ein Jahr Projektarbeit gegeben wurden, trafen sich etwa 30 am Projekt Beteiligte und Interessierte am 8. Dezember 2022 im Sparkassensaal in Schmölln zur ausführlichen Ergebnispräsentation und anschließender Gesprächsrunde.

Im ersten Teil der Veranstaltung stellte die wissenschaftliche Projektmitarbeiterin Lena Knacker von der Universität Kassel die Ergebnisse der bisherigen Projektarbeit vor. Das erste Jahr galt der Erfassung und Analyse des Ist-Standes innerhalb der fünf thematischen Arbeitspakete zu den Themen Heimat, Mobilität, Gewerbeentwicklung, Bildung und Gesundheit, methodisch umgesetzt in Workshops, Forschungsinterviews und städtebaulichen Bestandsaufnahmen. Basierend auf den identifizierten Problemen soll in einer sich nun anschließenden Reallaborphase ein Leitfaden für Maßnahmen und Projekte erarbeitet werden. Ziel ist es herauszufinden, welche Umsetzungsschritte für erfolgreiche Projekte wichtig sind und woran Projekte in der Praxis scheitern können.

Im Anschluss wurden die Themen und die Rolle von Stadtentwicklungsinstrumenten und der Städtebauförderung in Kleinstädten in einem Gespräch zwischen Dr. Arvid Krüger, dem wissenschaftlichen Projektleiter von der Universität Kassel und Sören Bartol, dem Parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, diskutiert. Moderiert wurde das Gespräch von der freien Stadtplanerin Ulla Schauber.

Ein knapp 4-minütiger Film fängt die Veranstaltung ein und bietet einen schnellen Einstieg in die diskutierten Inhalte.


Auftaktkonferenz "Kommunen innovativ" und "REGION.innovativ - Kreislaufwirtschaft"

Auf der Auftaktkonferenz der Fördermaßnahmen „Kommunen innovativ“ und „REGION.innovativ – Kreislaufwirtschaft“ am 13. und 14. Juli 2022 in Berlin trafen sich Vertreter der beiden BMBF-Fördermaßnahmen. Übergreifendes Thema der Veranstaltung war die Fortsetzung und Intensivierung der Vernetzung der geförderten Vorhaben. Gemeinsam wurden thematische Gemeinsamkeiten und mögliche Synergieeffekte identifiziert und diskutiert. Die Präsentationen der beiden Tage stehen auf der Webseite der Fördermaßnahmen zum Download zur Verfügung: https://kommunen-innovativ.de/dokumentation-der-auftaktkonferenz-kommunen-innovativ-und-regioninnovativ-kreislaufwirtschaft2022


Ansprechpartnerin

Stadtverwaltung Schmölln

Projektmanagement

Susan Biereigel